Nutze Deine wertvolle Lebenszeit bestmöglich

Einfach leben wie Du willst

Vielleicht hast Du schon gelesen, dass ich vor einigen Jahren den Weg eingeschlagen habe „vom Berater zum Sinnfinder“.

Bei diesem Weg ging es um nicht weniger als darum, meine sehr gut bezhalten Jobs als freiberuflicher Projektmanager & Kommunikationstrainer an den Nagel zu hängen und etwas zu tun, was mir mehr Befriedigung verschaffen sollte.

In diesem Artikel will ich gar nicht so sehr über meinen Weg vom Berater zum Sinnfinder schreiben, sondern viel mehr über das, was im Hintergrund passierte – welche grundlegenden Überlegungen und Erkenntnisse zu diesem Schritt geführt haben.

Vielleicht können Dir diese Überlegungen auch dabei helfen, Deine eigene Situation neu zu bewerten.

Tausche unangenehme Zeit gegen wertvolle Lebenszeit

Zugespitzt könnte man meine Transformation vom Berater zum Fotografen auch unter dieser Überschrift laufen lassen.

Sehr oft fand ich mich als Berater in Situationen wider, die ich als sehr unangenehm empfunden habe:

  • Auftraggeber mit pathologisch auffälliger Selbstwahrnehmung (um nicht zu sagen: Narzissten und Psychopathen mit antisozialen Tendezen)
  • Politische Spiele, die nichts mit dem eigentlichen Projektauftrag zu tun hatten
  • Führende Akteure, denen Verabredungen scheißegal waren
  • Grabenkämpfe zwischen Abteilungen
  • Die Frage „Oh – Halbtagsjob ?“, wenn jemand nach 8 Stunden Projektarbeit das Büro verlassen hat
  • Entscheidungen „von oben“, die Projektfortschritte torpedierten
  • Unfähige Proektmanager (unfähig in dem Sinne, dass sie von Projektmanagement keine Ahnung haben)
  • Politisch gesetzte Proekttermine, die von Anfang an unhaltbar waren
  • Gespräche über die richtige Größe und Marke von Autos, die Berater fahren müssen
  • u.s.w. u.s.w.

Ich will nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die sich in einem solchen Umfeld wohl fühlen und ihre Zeit gerne darin verbringen…

Ich aber kann für mich sicher sagen, dass – davon ausgehend, dass positiv gestaltete Lebenszeit mein wertvollstes Gut ist – viele hundert Stunden in meinem Leben als Berater verlorene Zeit waren.

Noch pointierter drücke ich es so aus: Wenn ich meine wertvolle Lebenszeit eintausche, dann bitte gegen etwas, das mindestens genauso wertvoll ist – oder besser: Noch wertvoller !

Daran gemessen habe ich trotz des guten Geldes, das ich als Berater verdiente, oft ein Minusgeschäft gemacht.

Minusgeschäfte sind der Standard

Wenn ich die 20 Jahre, die ich in vielen Projekten revue passieren lasse, so komme ich zu dem Schluss, dass für viele Beraterrinnen und Berater der Job den sie machen ein Minusgeschäft ist.

  • Viele sehen ihre Familien nur am Wochenende
  • Schlagen sich lange Tage (nicht selten 12-14 Stunden) in fremden Büros um die Ohren
  • Sehen kein Sonnenlicht
  • Arbeiten zusätzlich noch am Wochenende (wenn eigentlich schon Familienzeit ist)
  • Verlieren den Kontakt zu ihren Freunden und Angehörigen
  • Stehen unter (selbst gewähltem) Druck, weil sie sich ihren materiellen Status erhalten wollen und dafür die ganzen negativen Aspekte „aushalten“ (die Hypothek muss schließlich bedient werden…)
  • Keine Zeit mehr für Sport und Hobbies
  • Vernachlässigung der Gesundheit und Fitness

Sicher kann man zu dem Thema unterschiedlicher Meinung sein, aber für mich stellt selbst ein Einkommen von 20.000 EUR / Monat vor dem Hintergrund der Negativposten ein Minusgeschäft dar.

Wenn für Dich das Ergebnis anders aussieht, kannst Du es Dir sparen, weiterzulesen (und zurück ins Projekt gehen).

Alternative zum Minusgeschäft der eingesetzen Lebenszeit

Ich gehe nochmal zurück zum Anfang meiner Überlegung, dass positiv besetzte Lebenszeit das wertvollste Gut ist, dass ich einsetzen kann und dass ich nur gegen ein gleichwertiges oder höherwertiges Gut zu tauschen bereit bin….

Vor diesem Hintergrund ist es von immenser Wichtigkeit, sich bewusst zu machen, womit seine eigene Zeit gefüllt sein sollte, damit sie als „positiv besetzt“ durchgeht.

Auch wenn diese Antwort im Detail sicher sehr individuell ist, so lassen sich sicherlich folgende Cluster mehr oder weniger für alle Menschen identifizieren:

  • Zeit mit Freunden und netten Menschen verbringen
  • Gutes in der Welt bewirken
  • Sinnliches genießen (das reicht von „Essen“ bis „Sex“)
  • Muse / Kunst / Selbstverwirklichung
  • Selbstbestimmheit
  • Herausforderungen meistern (immer unterhalb der Grenze der Überforderung)
  • Neues lernen und anwenden
  • Weiterentwickeln
  • Dinge tun, zu denen wir intrinsisch motiviert sind – also die wir aus eigenem Antrieb gerne machen
  • Dinge tun, in denen wir gut sind
  • Für materielle Sicherheit sorgen

Unterscheide Zweckziele von Deinen persönlichen Zielen

in meinen Coachings mit meinen Kunden stoße ich oft auf Zweckziele. Das sind Ziele, die Menschen zwar formulieren, die sich auf Nachfragen aber als „Zweckziele“ herausstellen und letztendlich nicht wirklich bei den Menschen intrinsisch verankert sind.

Beispiel „Zweckziele“

  • „Ich möchte einen guten Studienabschluss in BWL machen“
  • „Warum ?“
  • „Weil ich dann einen guten Job in Unternehmen XY kriegen kann“
  • „Wozu möchtest Du diesen Job haben ?“
  • „Dieser Job öffnet mir die Möglichkeit, Karriere zu machen und eine Führungsposition zu erlangen“.
  • „Wozu möchtest Du die Führungsposition erlangen ?“
  • „Ich will im Jahr mindestens 250.000 EUR verdienen und meiner Familie ein schönes Zuhause ermöglichen“.
  • „Warum braucht Deine Familie ein solches Zuhause und ein Einkommen von 250.000 EUR / Jahr ?“
  • „Dadurch können wir zusammen im Garten unseres Hauses sitzen und viele spannende Familienreisen unternehmen…“
  • u.s.w.

Hier wird deutlich, dass das Ziel, einen guten Abschluss in BWL zu machen, ein Zweckziel ist: Es dient dem Zweck Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen (was statistisch gesehen nur die wenigsten BWL-Absolventen erreichen).

Im obigen Beispiel ordnet also der Befragte schon sehr früh den Einsatz seiner wertvollen Lebenszeit Zwecken unter, die sich verschachtelt fortsetzen.

Die Essenz des all dessen könnte man auch so zusammenfassen:
Ich will mit meiner Familie im Garten sitzen und reisen können.

Ich behaupte, dass es viele Wege gibt, dieses Ziel zu erreichen und ich behaupte, dass die tatsächlich verfügbare Zeit, die der angestrebte Karriereweg für das Kernziel übrig lässt, relativ gering ist, denn: Menschen, die die angestrebte Karriere verfolgen, müssen viel Zeit investieren, um dieses Ziel auch zu erreichen. Dazu gehört u.a. auch, nach der Arbeitszeit in bestimmten Netzwerken sich mit den „Richtigen Leuten“ zu umgeben und ihre Zeit mit ihnen zu verbringen (um die Klischees zu bedienen: Golfclub, Wirtschaftsclub, Karnevalsverein u.s.w.).

Da stellt sich die Frage nach der Alternative

Wenn wir schon bei BWL sind, können wir auch die Frage nach der Bilanz stellen. Im Falle meiner Überlegung ist es die Frage nach der Lebensbilanz:
Wenn man ein Jahrzehnt seiner wertvollen Lebenszeit aufwendet, um Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen und dafür Dinge tun muss, die man nicht mag oder die man weniger mag und die einen davon abhalten, das zu tun, was man wirklich mag (im obigen Fall „mit der Familie im Garten sitzen und reisen), hat sich das dann gelohnt ? War es die beste Alternative, die man gewählt hat ?

Vielleicht hätte es ja auch eine Alternative gegeben, die sehr früh beide Kernziele ermöglicht hätte (z.B. ein Leben als selbstständiger Im-Gartensitz- und Reiseblogger….).

Wie hätte die Gesamtbilanz ausgesehen, wenn sich der oben dargestellte Befragte von Anfang an auf das gestürzt hätte, was er wirklich gerne macht ?

Wo stände er nach 10 Jahren im Vergleich zu seinem Karriereweg ?

Ich höre schon Deine Frage: „Wie soll das denn gehen ?“ und dazu kann ich nur sagen: Ich weiß es im konkreten Fall nicht, aber was ich weiß ist, dass folgende Aussage wahr ist:

Wer etwas will sucht nach Wegen,
wer nicht will sucht Hinderungsgründe

Kurzum: Wer das Ziel vor Augen hat und radikal los läuft, dessen Chancen stehen gut, es auch zu erreichen. Das klappt am besten, wenn das Ziel vor Augen kein „Zweckziel“ ist, sondern der eignen, intrinsischen Motivation folgt.

Vereine Arbeit und Leben

Seit Jahrzehnten wurde uns Deutschen eingetrichtert, dass wir Arbeit und Freizeit trennen sollen.

Die Logik dahinter: Halte 10 Stunden auf der Arbeit durch und belohne Dich danach mit Dingen, die Dir Spaß machen…

Aufs ganze Leben bezogen: Quäle Dich 45 Jahre lang durch Deinen Beruf, dann kannst Du Dich 20 Jahre lang als Rentner enstpannen.

Geht´s eigentlich noch ?
Habt Ihr noch alle Latten am Zaun ?

Ich weiß nicht, wer diesen Unsinn in die Welt gesetzt hat, aber es war erfolgreich für diejenigen, denen das nutzt.

Ich schreibe mal aus der Perspektive von jemandem, für den diese Trennung gar nicht existiert, da ich sowieso mache, was mir Spaß macht UND ich nehme auch Geld dafür.

Ich muss meine Lebens- und Freizeit nicht zwanghaft voneinander trennen, da mich meine „Arbeit“ – also der Teil meines Zeiteinsatzes, für den ich Geld nehme, gar nicht belastet.

Selbst wenn ich kein Geld direkt dafür bekomme, mache ich das gleiche (fotografieren, schreiben beobachten, denken, mäandern…).

Ich stehe also so gut wie nie vor der Wahl, meine kostbare Lebenszeit gegen wertlosere Arbeitszeit tauschen zu müssen. Und nun kommt das Beste: Ich muss damit auch im Rentenalter nicht aufhören !

Das machen so oder ähnlich übrigens alle Künstler und Unternehmer, die schon längst genug Geld haben um nie wieder arbeiten zu müssen und die trotzdem noch auf der Bühne stehen, malen, Ausstellungen organisieren oder mit 75 noch unternehmerisch aktiv sind…
Einfach weil sie Lust drauf haben, weil es für sie eben keine „Arbeit“ ist, sie also nicht wertvolle Lebenszeit gegen wertlosere Zeit eintauschen….

Zusammenfassend kommt hier mein Rezept für ein glückliches und erfülltes Leben

  • Erforsche Deine wahre Motivation und Deine ganz persönlichen Lebensziele; trenne sie von Zweckzielen
  • Denke darüber nach, was Du sowieso gerne machst und suche nach Wegen, damit Geld zu verdienen – so viel, dass Du gut davon leben kannst
  • Orientiere Dich daran, dass Deine Zeit reich gefüllt ist, nicht Dein Bankkonto, denn verlorene Zeit (vor allem gemeinsame Zeit mit Deinen Kindern / Partnern) kann nie wieder aufgeholt werden
  • Vereine Arbeitszeit und Freizeit. Verbringe möglichst viel Zeit damit das zu tun, was Dir Spaß macht.
  • Verbringe viel weniger Zeit in der Zukunft und viel mehr im Hier und Jetzt.

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